
Ich werde mich nicht abfinden mit dieser ewigen Kluft zwischen Kunst und Straße. Sicher ist es geruhsamer, diesen Abgrund als gegeben und unabänderlich anzusehen, das Akzeptieren des Unüberbrückbaren bedeutet aber Abkopplung, Rückzug nach oben, in den Turm. Das ist nicht mein Weg.
Tagebuchnotiz

Joachim Völkner
Im Wachen träumen
1. Mai – 5. Juli 2026
Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst, BLmK, Frankfurt (Oder), FF Packhof
In den vergangenen Jahren hat das BLMK immer wieder Teilkonvolute des 1949 in Berlin geborenen und 1986 ebenda verstorbenen Künstlers Joachim Völkner übernommen. Bis dato wurden regelmäßig spezifische Werkserien in Gruppenausstellungen integriert, nun zeigt das BLMK die erste Einzelausstellung des Künstlers seit dem Mauerfall. Joachim Völkner eroberte sich die Malerei autodidaktisch. Aufgewachsen im proletarischen Milieu des Prenzlauer Berges, bewegten ihn soziale Verwerfungen.
Im Zentrum der Schau stehen die in den späten 1970er Jahren entstandenen Kinderbilder, die im Anschluss an die Tätigkeit des Künstlers als Kindergartenhelfer entstanden sind. Die ermatteten Individuen mit ihren überlängten Anatomien machen betroffen. Vor engen, grauen Mauern treten sie uns in schutzloser Direktheit gegenüber. Die Kinderbildnisse schauen hoffnungslos in die Zukunft. In der Ausstellung werden auch kleinformatige Selbstporträts gezeigt. In Vorahnung des nahenden Todes verknappte Völkner die Formen zu immer rücksichtsloseren Zitterspuren. Mit nur 36 Jahren erlag er seiner schweren Erkrankung.